11. Ausstellung

gegenlicht 

ST.ART Galerie-Atelier-Café-Bar
1070 Wien, Zollergasse 6

31.5.2008 - 27.6.2008

 Einladung

Text:

beobachtet man die malerische entwicklung
in den bildern von karin berghofer
über die jahre hinweg,
so fallen anfangs subtile veränderungen auf,
die sich bei genauerer beschäftigung
als doch markante zäsuren feststellen lassen.

verhielten sich früher plastische struktur
und farblicht oft als kontrastierende,
sich steigernde gegensätze,
so verstärken und begünstigen sie heute einander
in der gemeinsamen harmonischen wirkung
und die farbe erreicht dort ihre größte fülle,
wo auch die stärkste plastische dichte ist.

wer denkt nicht bei manchen dieser bilder
unwillkürlich sofort an bernstein,
honig und steinformationen,
schluchten aus denen man hochblickt,
feine reliefs an wänden von höhlen?

der eindruck,
dass die farbe von innen durch die plastische form leuchtet,
entsteht aus dieser harmonischen gemeinsamkeit
von farbe und form,
aus dieser farblichen sättigung an den rändern der form,
die das auge in seiner gesamtheit wahrnimmt.

wechselt aber die farbe,
kommen grüntöne ins spiel,
so ändert sich sofort auch die zuordnung,
wechseln die assoziativen stimmungen und ganz besonders dann,
wenn sich dunkles blau über die form legt,
da wird das differenzierende wahrnehmen
mit vehemenz ans auge delegiert,
da wird das schauen nicht durch das gefühl begünstigt,
durch das erinnern an sonnentage.

es sind oft ganz feine nuancen,
die die jahreszeiten dieser bilder verändern.
hier noch sommer, da schon herbstlich,
hier dämmerung, dort wieder ein aufblühen.
hier noch frühlingshaft bereiter fruchtstengel,
dort schon holz, dann honiggelber sandstein,
schließlich ackererde...

natürlich kann die sprache bildern nicht gerecht werden,
schon gar nicht bildern,
die auf die darstellung
von augenscheinlichen wirklichkeitsdingen verzichten,
denn insbesonders die gegenstandslose malerei
verzichtet auf hauptwörter,
will die darstellung von tätigkeiten
und sinnlich erfahrbaren eigenschaften,
will gerade dadurch die instandsetzung des menschen
in seiner eigenständigen differenzierungsfähigkeit.

erwin michenthaler, bildhauer

Bilder: